“grenzenlos”: 5000 feiern die 4. Nacht der Kirchen in Kiel

Rund 5000 Besucher haben in Kiel am 19. September die 4. ökumenische Nacht der Kirchen gefeiert. Die Vielfalt des Angebots war ganz gemäß dem Motto „grenzenlos“, die Stimmung einmalig. Ob Musical, Diskussion, Gebet oder Konzert – gemeinsam war allen 24 Veranstaltern der Wunsch, ihre Besucher etwas ganz Besonderes erleben zu lassen.

Worte, Musik, Bewegung und ein Raum, der dies alles noch viel besser wirken lässt: „Es ist schon anders in einer Kirche aufzutreten, irgendwie erhabener“, weiß Sängerin Katja Reusch. Mit ihrer Gruppe FarbKlang hat sie zur Nacht der Kirchen die Maria-Magdalenen-Kirche in Elmschenhagen mit einer Mischung aus Musik, Poesie und Tanz gefüllt. Knapp 250 Zuschauer ließen sich das Programm aus Tanztheater und Märchenlesen nicht entgehen. Hausherr Pastor Michael Szelinski-Döring war zufrieden: „Bei den Vorträgen herrschte eine unglaubliche Dichte. Und während der Pausen trafen sich die Leute dann draußen an der Feuerstelle und kamen ins Erzählen.“ So fielen in Elmschenhagen nicht nur künstlerische Grenzen.

In der Nikolaikirche war spät am Freitagabend Stummfilmzeit – mit viel Getöse! „Deine Frau hat aber einen schönen Hals“ stand auf der riesigen Leinwand geschrieben. Ein Schmunzler im Vampirfilm „Nosferatu“ aus dem Jahr 1922. Die Kirche am Alten Markt war bis auf den letzten Platz besetzt und das Publikum ansonsten mucksmäuschenstill. Auf der Orgel unterlegte Prof. Franz Danksagmüller den Klassiker mit schaurigen, jagenden und dramatischen Melodien und erntete dafür stehenden Applaus. „Die Wirkung war fantastisch“, schwärmt Mads Kerner. Der 47-Jährige Filmfan ist aus Rendsburg zur Nacht der Kirchen nach Kiel gekommen. „Jetzt kann ich meine DVD vom Film eigentlich wegwerfen. Denn zu Hause habe ich leider keine Kirche. Und auch keine Orgel“, lacht er.

Ob laut oder leise, jeder Besucher fand seinen Platz „Das ist genau das, was ich heute brauche“, erklärt Studentin Saskia. Sie hatte sich für die Nacht der Kirchen gezielt die Jakobikirche ausgesucht, mit Meditation, Gespräch, Musik und Erzählungen vom Fall der Mauer. „Die Meditation hat mir gut getan und der Gesang war so schön!“ Neben ihr steht Claudia und schaut sich die Sorgenzettel an, die überall aufgehängt sind. Die 20-Jährige ist neu in Kiel hatte die Flyer zur Nacht der Kirchen gesehen. „Da habe ich gedacht, ich fang mit den Kirchen der Stadt an und begegne vielleicht auch ein paar Leuten“.

In einer Nacht sind nicht alle 24 Kirchen zu schaffen. „Zuerst wollte ich ganz viele besuchen“, erzählt Heidrun Sommer. „Aber dann haben wir gemerkt, wir haben mehr davon, wenn wir uns ein paar rauspicken und die dann wirklich genießen.“ In der katholischen Kirche St. Nikolaus hat sie sich einen Teil der Thomas Mann Lesung angehört, will bei der afrikanischen Nacht in der Ansgarkirche reinschauen und trifft sich vielleicht noch mit einer Freundin zur Taizé Andacht in der methodistische Kirche. „Am besten finde ich, dass es völlig egal ist, welcher Konfession man angehört.“

Diese Ökumene hat Tradition: Die Kieler evangelisch-lutherischen, katholischen und Freikirchengemeinden feiern diese Nacht der Kirchen zum 4. Mal. Begonnen hatte es mit nur wenigen Gemeinden, in jedem Jahr kommen neu hinzu. „Für mich war die gestrige Nacht ein großartiges Erlebnis“, erklärte Thomas Lienau-Becker,Propst des Kirchenkreises Altholstein, und sprach allen Mitwirkenden seinen Dank aus: „Gemeinsam sind wir Kirche in Kiel, und in aller Unterschiedlichkeit unserer Gemeinden gab es doch eine deutlich spürbare Verbindung – einen gemeinsamen Geist – in allen Kirchen, die ich besucht habe.“

Stefanie Rasmussen