Funk, Blues, Ska - die Band Leo In The Lioncage macht Party in der Lukaskirche

Funk, Blues, Ska – die Band Leo In The Lioncage macht Party in der Lukaskirche –  Bild und Text: Stefanie Rasmussen-Brodersen

Rund 3500 Besucher in 25 Gotteshäusern haben am Freitag die 7. Ökumenische Kieler Nacht der Kirchen gefeiert. Sie hatten die Qual der Wahl, das diesjährige Motto „ICH…!“ interpretierten die Veranstalter und hunderte Mitwirkende höchst unterschiedlich. Schon allein das musikalische Angebot reichte von Harfenklängen über Orgel, Funk und Schlager bis zu Metalcore.

Lukaskirche rockt

Freitagabend, Lukaskirche in der Wik: Party! Gitarren, Trompeten, die Stimme von Leonie Vierk, die Band Leo In The Lioncage dreht auf und bringt mit einer Mischung aus Funk und Soul den Altarraum samt Zuschauern zum Wippen. „Supidupi! Echt gute Laune-Musik!“, meint Arno Gierke und kann die Füße nicht still halten. „Ich spiele auch Trompete, aber nicht so gut wie die Jungs da!“ Eigentlich ist der 19-Jährige wegen des PoetrySlams gekommen. Der startet gleich darauf, das Thema ist das der Nacht der Kirchen, „ICH…!“. Das begeisterte Publikum kürt die Schülerin Kim Alina Kläve zur Gewinnerin. „Das kommt echt gut an, die Kirche ist voll, Stimmung super“, erzählt Jugendmitarbeiterin Stefanie Piekielny. Eben hat sie mit ihrem Freund die Fotobox im Flur auspropbiert. Hier können Besucher sich verkleiden und Fotos gleich ausdrucken und mitnehmen.

Wer bin ICH…!?

Zur gleichen Zeit in St. Joseph, Gaarden, geht es besinnlicher zu. Kerzenschein beleuchtet den Raum, dazu zaubert eine Lichtinstallation unwirkliche Muster auf die Wand. Worte, Gebete, Gedichte über das Thema „ICH…!“ erklingen. Veronica Arguello spielt Harfe dazu, die Gäste sitzen in den Kirchenbänken, versunken in Gedanken, lassen sich mitnehmen auf eine fast meditative Reise. Etwas später schreiben sie eigene Texte und Erinnerungen in menschliche Schattenrisse, lassen ein kleines Stückchen ihres Ichs hier zurück. „Schön war`s“, sagt Besucherin Andrea Beese und verewigt sich auf einem der Zettel. St. Joseph ist zum ersten Mal dabei, dank Ehrenamtlicher wie Simone Struck: „Wir haben das im Team vorbereitet und freuen uns sehr, dass so viele gekommen sind!“

Gewitter in St. Nikolai

Ortswechsel: Die Orgel in der Offenen Kirche St. Nikolai braust, seufzt, klingt live zum Stummfilm „Luther“ von 1928. Gewitter, Ablasshandel, Thesenanschlag – Kirchenmusiker Manuel Gera improvisiert und holt mit grandiosem Spiel das Geschehen von der Leinwand in den Kirchraum. „Vor allem die tiefen Töne finde ich toll“, schwärmt Senta Kliosh, „das kribbelt richtig im Magen“. Sie ist zum dritten Mal auf der Nacht der Kirchen, diesmal hat sie auch ihren Mann überredet. Orgelmuffel Eberhardt mochte eher den Film, „und dass die Wissenschaftler vorher ein bisschen was erklärt haben“. Dann schmunzelt er: „Im nächsten Jahr muss sie dann mit zu den Posaunenchören!“

Metalcore geht auch

Heftig und laut ist es an diesem Freitagabend in der Heilandskirche, Saarbrückenstraße: Der Bass wummert, der Gitarrist schrammelt, die Band Seven dreht voll auf. Metalcore heißt die Musik, sie ist laut, schnell, der Sänger grölt, dazu leuchten farbige Spotlights. „Wer hätte gedacht, dass solche Töne in einer Kirche zu hören sind“, lacht Carina Ewers vom Kirchengemeinderat der Friedensgemeinde. „Ich finde es ganz gut, wenn Kirche auch mal irritiert.“ In der Tat, ein paar Besucher gucken irritiert, aber Fans lassen Köpfe nicken, Haare fliegen. Früher am Abend haben hier bereits zwei Elfjährige Schlager gesungen, danach gab es eine Jazz-Blues-Jamsession von einem 15-Jährigen mit einem 63-Jährigen. Es sind weniger Leute in die Heilandskirche gekommen als bei der letzten Rocknacht vor zwei Jahren. Musiker hatten abgesagt, das Duo ist spontan eingesprungen, aber das hatte sich noch nicht rumgesprochen. Das schlechte Wetter hält spontane Besucher fern. Carina Ewers ist dennoch zufrieden, die Mischung ist bunt, das Publikum auch: „Ein paar der Jüngeren waren seit Jahren nicht in einer Kirche und finden es cool. Dafür ist die Nacht der Kirchen doch auch da, mal überraschen und Vorurteile entstauben!“

So einiges entstauben, Bekanntes neu entdecken, oder Liebgewonnenes einfach genießen – die Nacht der Kirchen bot auch in diesem Jahr wieder alle Möglichkeiten.